Der HC Sprecherkreis hat am 21.10.08 folgende Eckpunkte verabschiedet.

Eckpunkte zur Entwicklungsperspektive HESSENCAMPUS
Beschluss des Sprecherkreises HC  vom 21.Oktober 2008

 

Einordnung von HESSENCAMPUS in die künftige hessische Landschaft des Lernens von Erwachsenen

  • In der „Gemeinsamen Erklärung zur Entwicklungspartnerschaft“ HESSENCAMPUS(HC) heißt es: „Lebensbegleitendes Lernen als Leitidee von Bildung in einer modernen Wissensgesellschaft ist eine entscheidende Antwort auf den tief greifenden technologischen, sozialen, wirtschaftlichen und demographischen Wandel und die Herausforderungen der Globalisierung und Modernisierung. Die moderne Wissensgesellschaft benötigt für ihre wirtschaftliche, ökologische und soziale Zukunft sowie im globalen Wettbewerb eine umfassende Mobilisierung von Kompetenzen. Zugleich wächst die Anforderung an jeden Einzelnen, sich aktiv und selbstbewusst mit dem ständigen Wandel in Arbeitswelt und Gesellschaft auseinander zu setzen und ihn positiv zu bewältigen. Lebensbegleitendes Lernen kann hierfür einen wichtigen Beitrag leisten. Es zielt darauf, individuelle Kompetenzen in einem umfassenden Sinne zu entfalten und dadurch auch die Teilhabe an Arbeitswelt und Gesellschaft zu fördern, Benachteiligung abzubauen und die Demokratie zu festigen. Mit anderen Worten: Die Menschen können durch Lebensbegleitendes Lernen gestärkt werden und sich selbst stärken.“

  • Weiter heißt es dort: „Die beteiligten Partner haben es sich zur Aufgabe gemacht, bessere Zugänge zur Arbeitswelt zu eröffnen, die Teilhabe am wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Leben zu erleichtern und eine Bereicherung des persönlichen Lebens zu ermöglichen. Diese Entwicklungspartnerschaft will deshalb das Lebensbegleitende Lernen zur Leitidee machen und in den folgenden vier Dimensionen entfalten: (1) Die Erwachsene Lernerpersönlichkeit soll im Mittelpunkt stehen, (2) Lebensbegleitenden Lernen erfordert eine Lernbiografieorientierung, (3) Lehren und Lernen werden auf das übergreifende Ziel Lebensgestaltungskompetenz ausgerichtet, (4) Anschluss und Zugang sind durch Lebensweltnähe zu sichern.“

  • Dem umfassenden Bedeutungsgewinn des Lernens von Erwachsenen wird künftig dadurch Rechnung zu tragen sein, dass das Feld des Lernens außerhalb, neben, vor und nach den bisher institutionalisierten Systemen der Allgemeinbildung, der Beruflichen Bildung systematisch entfaltet, in eine enge Korrespondenz mit diesen gesetzt und gemeinsam als umfassender Bildungsbereich für alle  Bürgerinnen und Bürger des Landes entwickelt wird, der sich  an den Lernbiografien  im Erwachsenenleben orientiert.

  • HC ist eine der staatlich-öffentlichen Antworten auf diese Herausforderung, das Lernen von Erwachsenen im Lebenslauf nachhaltig zu stärken; Grundlage hierfür ist die gemeinsam wahrgenommene Bildungsverantwortung zwischen der Hessischen Landesregierung und Städten/Landkreisen in Hessen, also eine gemeinsame: staatlich-kommunale Bildungsverantwortung

  • HC als strukturbildender Ansatz, die öffentliche Verantwortung im Bereich des Lernens von Erwachsenen noch wirksamer als bisher wahrzunehmen, gehört als Teilsystem zu einer reichen, pluralen  regionalen und landesweiten Landschaft von Anbietern für das Lernen von Erwachsenen. HC wird ein neuer, wichtiger öffentlicher Partner in einer zunehmend vernetzten regionalen Bildungslandschaft. Dabei ordnet sich HC einer zu entwickelnden kommunal-regionalen Bildungskoordinierung zu, wie sie z.B. vom Landeskuratorium vorgeschlagen wird.

  • HC bezieht sich - in verständiger Abstimmung  mit den anderen Anbietern in der Region - auf die regionalen Bedarfe im Feld des Lernens für Erwachsene und entwickelt sein Angebot ständig so weiter, dass diese Bedarfe zunehmend befriedigt werden und damit die Teilnahme der erwachsenen Bevölkerung an Lernangeboten steigt.

  • HC folgt darin zunächst den in ihm vereinigten gesetzlichen und satzungsmäßigen Aufgaben, und entwickelt insbesondere solche Angebote neu oder weiter, die an die in HC vorhandenen Kompetenzen sinnvoll anschließen, am Markt in der Regel nicht erbracht werden (können) und zugleich zukunftsorientiert und auf unterschiedliche Situationen und Phasen des Erwachsenenlebens bezogen sind.. Auf diese Weise werden die HC neue Bildungspotenziale erschließen.

  • Dabei orientiert sich der HC auch auf jene Zielgruppen, die als „bildungsfern“ zu bezeichnen sind, oder die besonderer Impulse bedürfen, um an der Arbeitswelt und am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Bildungsberatung und lebensweltlich orientierte Beratungs- und Unterstützungsstrukturen werden deshalb das Bildungsangebot in enger Kooperation ergänzen. 

  • In Profil, Ausrichtung und Pädagogik verknüpfen die HCs regionalspezifische Ausprägungen mit Prinzipien, Ansätzen, Qualitätsstandards und grundlegenden Arbeitsweisen, die allen HCs in Hessen gemeinsam sind und insofern ein „hessisches Modell“ darstellen. Der Name HESSENCAMPUS signalisiert diese Gemeinsamkeit. 

  • HC folgen auch in ihrem räumlichen Organisationstyp den regionalen Bedürfnissen, sie können in einem einzigen Gebäudekomplex, dezentral oder in anderen Varianten aufgestellt sein. Der Grundsatz niedrigschwelliger Zugänglichkeit muss auch hier Beachtung finden.



 

Pädagogische Potenziale und ihre organisatorisch-institutionellen Voraussetzungen 

  • Das besondere pädagogische Potenzial von HC entsteht durch die Bündelung unterschiedlicher, bisher in von einander getrennten Bildungseinrichtungen angesiedelter Kompetenzen zu einem integrierten Bildungskonzept für Erwachsene (Überwindung der Versäulung). Hierzu werden insbesondere die Kernkompetenzen von Beruflichen Schulen, Schulen für Erwachsene (2. und 3. Chance) und Volkshochschulen benötigt. Eine enge Verbindung mit Bildungszentren der Wirtschaft erweitert das Angebot  integrativer Bildung.

  • Diese Bündelung entspricht einem zukunftsorientierten Verständnis biografie-orientierter Bildung für Erwachsene: die große Bedeutung von Beruf, Arbeitswelt und Beschäftigungsfähigkeit wird nicht negiert, aber zugleich wird auf allgemeinbildende Grundlagen und  Fähigkeiten zur eigenverantwortlichen Lebensgestaltung, demokratischen und kulturellen Teilhabe und selbstbewusster persönlicher Entwicklung und Lebensgestaltung Wert gelegt. 

  • Der „integrative“ Ansatz soll sich nicht nur auf gemeinsame bildungsbezogene Dienstleistungen (wie z.B. Beratung oder Übergangsmanagement) beziehen, sondern Schritt für Schritt auch auf gemeinsame Bildungsgänge oder Bausteine von Bildungsgängen, bzw. gemeinsamen Kursangeboten. 

  • Dreh- und Angelpunkt für die Wirksamkeit des HC ist die Entfaltung einer modernen Pädagogik des Erwachsenenlernens.

  • Es bedarf differenzierter Bildungsangebote, die den Lebensumständen, den Lernvoraussetzungen und -motivationen erwachsener Menschen in verschiedenen Phasen ihres Erwachsenenlebens, die unterschiedliche Anforderungen stellen, gerecht werden. Zugleich muss die jeweils erforderliche Spezialisierung der Lernziele und -inhalte im Rahmen eines integrierten Bildungsansatzes so erfolgen, dass die Lernenden zu einer Erweiterung ihrer Horizonte gelangen und auf diese Weise neue Bildungsanstöße erhalten. 

  • HC bezieht sich - in verständiger Abstimmung  mit den anderen Anbietern in der Region - auf die regionalen Bedarfe im Feld des Lernens für Erwachsene und entwickelt sein Angebot ständig so weiter, dass diese Bedarfe zunehmend befriedigt werden und damit die Teilnahme der erwachsenen Bevölkerung an Lernangeboten steigt.

  • Dieses Verhältnis von Spezialisierung und Zusammenschau, unmittelbarem Nutzen und erweiterten Horizonten, Erfahrung und Wissen, theoretischen Lernen und Erprobung, Bewährung im Leben und erneuter Reflexion etc.  muss für alle Bildungsangebote im HC gelten. Sie werden mit Beratung, Unterstützung und Selbstlernchancen verbunden und finden in einer Lernwelt statt, die anregend ist und die Heterogenität der Lernenden im HC als Bereicherung erfahren lässt. In diesem Sinne kann sich HC - insbesondere im ländlichen Raum - auch als eines der kulturellen Zentren der Region entwickeln.

  • Lebensweltnähe gilt sowohl als pädagogisches Prinzip als auch als Kriterium für die Nutzerfreundlichkeit von HC. Dies bezieht sich u.a. auf Erreichbarkeit und auf die Gestaltung von Öffnungszeiten in einer Weise, die den unterschiedlichen Lernbedürfnissen und Zeitrhythmen der (potenziellen) Nutzerinnen und Nutzer entgegen kommt.

  • Die praktische Erprobung muss zeigen, welche Integrationstiefe und Integrationsqualität jeweils erforderlich sind, um Angebotsvielfalt und Angebotsqualität, Individualisierung und Förderung, Ansprache, Beratung und Anerkennung der erworbenen Kompetenzen, allgemeiner gesagt: Beteiligungsgrad und Wirksamkeit des Lernens von Erwachsenen in der Region, deutlich zu erhöhen. Erkenntnis und Erfahrungen belegen, dass eine additive Aneinanderreihung und Sortierung, die lediglich durch ein gemeinsames Marketing verbunden ist (Idee des „Bildungswarenhauses“) nicht ausreichend sein wird, um diese Ziele zu erreichen.

  • Differenzierung, Individualisierung und die Bereitstellung hochwertiger Beratungs-, Selbstlern- und Lernkultur- Angebote setzen eine Bündelung von Ressourcen und Kompetenzen in erheblichem Umfange voraus Sonst wird weder den heterogenen Bildungsbedürfnissen Rechnung zu tragen sein, noch wird man flexibel und unter Kostengesichtspunkten vertretbar auf Nachfrageschwankungen und Veränderungen (z.B. demografischer Art) reagieren können.

  • Ein gemeinsames, integriertes Management von Ressourcen, Kompetenzen und Programmen als Umsetzung der gemeinsamen Bildungsziele ist demnach schrittweise und ausgehend von den gemeinsamen Bildungsangeboten und bildungsbezogenen Dienstleistungen aufzubauen. Dies sichert, dass die Ausweitung bzw. (Weiter-) Entwicklung eines hochwertigen und differenzierten Bildungsangebots bei vertretbarem Ressourceneinsatz möglich wird.  

  • HC kann seiner Aufgabe als Einrichtung öffentlich verantwortete Erwachsenenbildung auf der Grundlage eines modernen Leitbilds von Bildung und Erwachsenenlernen nur gerecht werden, wenn sich die Starteinrichtungen „auf gleicher Augenhöhe“ begegnen und miteinander arbeiten. Integrative Ansätze gelingen nur dann gut, wenn sie auf der Basis selbstbewusster Identitäten und Kompetenzprofile erfolgen. 

  • In diesem Sinne startet  ein regionaler HESSENCAMPUS  von dem Augenblick an, in dem  Starteinrichtungen ohne Verlust ihrer Eigenständigkeit verbindliche Vereinbarungen zu gemeinsamem, integriertem Management von Ressourcen, Kompetenzen und Programmen treffen. Voraussetzung hierfür ist, dass alle Starteinrichtungen eine Rechtsfähigkeit besitzen, die ihnen den Abschluss und die Umsetzung solcher Vereinbarungen erlaubt, aus denen integrierte Bildungsdienstleistungen hervorgehen.

  • Um wirksam und verbindlich agieren zu können, wird auch HC selbst auf der Basis der Vereinbarungen über ein gemeinsames, integriertes Management von Ressourcen, Kompetenzen und Programmen, über eine eigene Rechtsfähigkeit verfügen müssen. Hierzu müssen rasch brauchbare Rechtsfiguren vorgestellt werden.



 

Notwendigkeit eines Entwicklungsprogramms HC
Die Jahr-für-Jahr-Förderung erwies sich schon nach dem ersten Jahr von HC als ungenügend, denn sie beruhte auf einer Unterschätzung der mit dieser Strukturinnovation im Bereich des Lernens von Erwachsenen verbundenen Aufgaben. Der Sprecherkreis HESSENCAMPUS hält deshalb für dringend erforderlich:

Ein mehrjähriges Aufbauprogramm für die regionalen Zentren und das sie umgreifende Landessystem

  • In diesem Aufbauprogramm geht es um die Entwicklung von landesweit abgestimmten pädagogischen, organisatorischen und regionalen Strukturen, damit in den Regionen integrierte Dienstleistungen für das Lernen von Erwachsenen entsprechend deren Bedarfen und Bedürfnissen angeboten werden können.

  • Dieser Aufbau soll dem Grundprinzip folgen, regionale Profile in einem gemeinsamen hessischen Modell zu entwickeln. Daraus folgt die Notwendigkeit zweier mit einander korrespondierender Unterstützungskreise: regional und landesweit.

 

Die gemeinsame staatlich-kommunale Bildungsverantwortung

  • HESSENCAMPUS ist in gemeinsamer staatlich-kommunaler Bildungsverantwortung aufzubauen und zu betreiben. Dazu ist ein zusätzliches staatlich-kommunalen Finanzierungsprogramm aufzustellen, durch das auch die Starteinrichtungen Berufliche Schulen, Schulen für Erwachsene und Volkshochschulen vergleichbare Entwicklungschancen erhalten.

  • In einem ersten Schritt kann dies für die Zentren HESSENCAMPUS den Abschluss von Kooperationsvereinbarungen zwischen den Regionen und dem Hessischen Kultusministerium bedeuten.

  • Die Zentren HC verstehen sich als Teil einer sich weiterentwickelnden regionalen Bildungslandschaft. Im Sinne der Übernahme auch regionaler Verantwortung ordnen sie sich einer regionalen Bildungskoordination zu.

  • HC bezieht sich - in verständiger Abstimmung  mit den anderen Anbietern in der Region - auf die regionalen Bedarfe im Feld des Lernens für Erwachsene und entwickelt sein Angebot ständig so weiter, dass diese Bedarfe zunehmend befriedigt werden und damit die Teilnahme der erwachsenen Bevölkerung an Lernangeboten steigt.



 

Einen Stufenplan 2009 bis 2012

  • Der so verstandene weitere Aufbau von HESSENCAMPUS soll in einem Stufenplan 2009 bis 2012 konkretisiert werden. Der Sprecherkreis erwartet, dass die Landesregierung umgehend einen solchen Vorschlag vorlegt.

  • Die Zwischenschritte dieses Stufenplans sollen so gestaltet werden, dass jeweils ein Mehr an gemeinsamen Integriertem Management von Ressourcen, Kompetenzen und Programmen entsteht. Auf diese Weise soll der HESSENCAMPUS Schritt für Schritt entsprechend der regionalen und landesweiten Erfordernisse und Möglichkeiten weiter entfaltet werden.

  • Die in 2011 erreichten Ergebnisse sollen in die Novellierung des Gesetzes zur Weiterbildung und zum Lebensbegleitenden Lernen einfließen.

  • Dreh- und Angelpunkt für die Wirksamkeit des HC ist die Entfaltung einer modernen Pädagogik des Erwachsenenlernens.



Der Sprecherkreis wird sich in den nächsten Wochen – auch in engem Kontakt mit den regionalen Steuerungsgruppen – mit Aufbauprogramm und Stufenplan befassen und einen eigenen Stufenplan vorlegen.